Artikel vom 01.11.2000 aus dem Waldviertler Kumm geh'n ma Wolken kratzn
Das Telefon klingelt - am anderen Ende in Ottenschlag mein Pilot Erwin: "Servus Christian - Lust auf an Herbstflug mit dem Motorsegler?". Ich würde niemals Nein sagen, Samstagspläne kurz und mutig geändert, Familie informiert und ignoriert. Ab ins Auto zum Flugplatz Ottenschlag. Die Internetkamera bereit, ganz wichtig Sonnenbrille, Kappl und Jacke (in 6000 Feet is' scho kalt). Erwin, mein Pilot, hilft mir beim Einstieg in den Motorsegler. Wohin rauschen wir ab? Zum Ötscher, wir sehen den Berg schemenhaft in milchigem Dunst. Ein letzter Griff zum Schultergurt - ja, ich bin angeschnallt, es kann losgehen. Der Motor springt an, der Propeller dreht surrend, die Kopfhörer aufgesetzt, die Verständigung ist OK! Erwin sagt: "Ja, geh'n ma Wolken kratzn!" Ab in den Wind, der Motorfalke rollt willig übers Gras, hebt ab - ah jetzt - nickt noch einmal und steigt wie von Watte getragen. Erwin lächelt. Felder, Wege, Wald - eine Filmkulisse scheint unter uns vorbeizuziehen. Blick nach oben. Die Wolken kommen näher. Surren - im Funk ist der Landeanflug der Egypt-Air auf die 16 in Wien-Schwechat zu hören. Unten glänzt eine breite silberne Ader im Herbstlicht - die Donau. Dort hinten, das muss der Schneeberg sein und rechts geht's nach Hinterstoder. "Du weißt, unser Flug im April, very bumpy, nix für schwache Nerven." Erwin lächelt . Bei 6500 Feet überfliegen wir den Ötscher. Samstagnachmittagsgipfelstürmer winken uns zu. Wir winken zurück. Eins, zwei, zwanzig Leute können wir am Gipfel ausmachen! Erwin lächelt verständnisvoll. Ich weiß was er denkt. Fürs Gipfelpublikum macht der Motorfalke einen beherzten Abschwung ins Tal. Wir melden uns beim Turm in Mariazell. Eine Frauenstimme gibt die Freigabe: "Landung nach eigenem Ermessen auf der 15. Es ist praktisch windstill." Jetzt ein Kaffee. Die Stimme aus dem Bordfunk sieht nett aus, hat aber keinen Kaffee, nur ein Bier! Wir wenden uns grausig ab. Erwin holt ein Dreh-und-Drink aus dem Falken. Ich mache ein Foto mit dem Motorsegler, Windsack und Berg. Den Kaffee gibt's in Krems. Flugzeug-Deckel zu und an der Basilika von Mariazell nicht zu knapp vorbei hinauf zur Sonne. Heute passt wieder alles. Jetzt schnell über die traumhaften Voralpen. Dann sind wir über der Donaubrücke - wir können den Kaffee schon riechen! Ein schnelles Eindrehen zum Endanflug auf Krems-Gneixendorf. Endlich Kaffee, Kollegen und Gespräche deren Inhalte nur Fliegern zugänglich sind. Ich nicke - sonst fällt es auf. Schweigen ist eben Gold. Erwin putzt Staub von der Rückablage. Die Headsets dürfen beim Liegen nicht leiden! Alles hat beim Fliegen seine Ordnung. Ich lächle verständig. Turmdienst hat Martin, der Ballonfahrer. Er spricht uns Richtung Göttweig hinaus. Die Wachau glänzt in allen Farben, auch der Hafen und die Donaubrücke in Krems. Nur noch 25 Minuten bis Sunset. Unter uns liegt kitschig und gelangweilt Dürnstein. Wir überfliegen den Jauerling, dahinter erkennen wir endlich wieder das Waldviertel im Abenddunst. Erwin beginnt den Abstieg zum Heimatflugplatz. Unbemerkt fliegen wir an den Ort. Motorsegler sind eben leise und unspektakulär. Die Klappen raus, leises Rauschen und eine weiche Landung. Wir rollen zum Hangar. Fliegerkollegen machen sich im Schein einer Arbeitslampe an einem Ultralightflugzeug zu schaffen. Aber das ist nicht unsere Geschichte. Wir schieben den Motorsegler in den Hangar. Wie leicht das geht. Und damit sind wir geflogen? Erwin meint, leichte Sachen fliegen eben besser. Noch im Auto denke ich drüber nach. Wo er Recht hat hat er Recht. Wenn man fliegt ist eben alles leichter - auch das Leben . >Waldviertler Web Werkstatt - Christian Franzus Besuchen Sie derwaldviertler.at im Internet unter http://derwaldviertler.at/. |
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