Baubericht: UC-1 Twin Bee
von Johann Prachinger, Februar 2011   zurück zur Übersicht
Bauplanquelle: Eigenkonstruktion Fertigungsgrad: Selbstbau
TwinBee - Foto 01 - Das Vorbild Die UC-1 Twin Bee ist eine Weiterentwicklung der Republic RC3 Seabee, welche sogar einmal in einem James Bond Film "mitspielen" durfte. Selbstverständlich befindet sich auch eine der beliebten Schaumwaffel-"Seabees" von Robbe in meiner Wasserflug-Flotte und wird regelmäßig und gerne geflogen.

Dies motivierte mich auch zum Nachbau der zweimotorigen Twin Bee, welche außer den beiden 180 PS Lycoming Vierzylindern gegenüber der einmotorigen Seabee eine um 6 Fuß (ca 183 cm) größere Flügelspannweite und einen um 3 Fuß (ca 91,5 cm) verlängerten Rumpf aufweist.
Als Planungshilfe diente mir hauptsächlich der rechts im Bild gezeigte Dreiseitenriß von der "Seabee"-Webseite, sowie zahlreiche Fotos. Beim Zeichnen der Rumpfquerschnitte orientierte ich mich stark an der vorhandenen Robbe Seabee. Den Dreiseitenriß skalierte ich mit einem Grafikprogramm für eine Modellspannweite von 165 cm hoch und druckte ihn auf Papier.

Als Baumaterial sollte - wie schon bei der Puddle Twin II XL und der Shin Meiwa - Depron in 6 mm und 3 mm Stärke zum Einsatz kommen.
TwinBee - Die Zeichnung
TwinBee - Foto 02 In der "Wasserflug-Winterpause" 2009/2010 reichte meine freie Zeit leider nur zum Sammeln/Vorbereiten der Bauunterlagen und zur Beschaffung des Materials und der zu verbauenden Elektronik.

So wanderte alles für fast ein Jahr lang in einen Karton und verschwand in einer noch freien Ecke meiner Werkstatt.

Erst während des Weihnachtsurlaubs 2010/2011 konnte mit dem Bau des Modells endlich begonnen werden.
Ich begann mit einem Rumpflängsspant aus 6 mm Depron, auf welchen anschließend beidseitig halbe Querspanten - ebenfalls aus 6 mm Depron - aufgesetzt wurden. Im vorderen Rumpfbereich zog ich auf "Servobretthöhe" noch einen Zwischenboden aus 6 mm Depron ein.

Den Leitwerksträger verstärkte ich mit einem aus 2 mm Balsabrettchen selbst hergestellten Vierkantholm.

Das Höhenleitwerk entstand aus einer ebenen 6 mm Depronplatte, verstärkt mit einem 6 mm CFK-Flachstab. Dabei wurden die Leitwerksvorderkanten vorsichtig rundgeschliffen und die Ruderblätter leicht profiliert.
TwinBee - Foto 03
TwinBee - Foto 04 Wegen der ausgeprägten sphärischen Wölbungen mußte die Rumpfbeplankung in mehreren Segmenten aufgebracht werden.

Im Bereich der Tragflächenbefestigung erhielt der Rumpf an den Seitenwänden und am vorderen Spant Verstärkungen aus 3 mm Sperrholzbrettchen.

Die Verbindung Flügel/Rumpf erfolgt mittels zwei 6 mm Buchendübel und einer 6 mm Nylonschraube.

Für die Anlenkung von Seiten- und Höhenruder wurden 2 Kunststoffbowdenzüge verlegt.
Wesentlich unkomplizierter als der Rumpfbau gestaltete sich der Bau der Tragfläche durch deren rechteckigen Grundriss.

Aufgebaut wurde sie in Schalenbauweise, mit 3 mm Depronplatten für die untere und obere Beplankung und 6 mm Depron-Rippen. Als Hauptholme wurden 6 x 3 mm Ramin-Leisten aus der Restekiste eingesetzt, versteift mit Stegverkastungen aus 1,5 mm Balsa-Abfällen.
TwinBee - Foto 05
TwinBee - Foto 06 Als Flächenprofil wählte ich wieder einmal das altbewährte Clark-Y.

In der Mitte wurde die Tragfläche auf Rumpfbreite großzügig mit Balsa-Rippen und -Klötzchen für die Flügelhalterung verstärkt.

Die Holmbrücke und die 4 Servohalterungen (2 x Querruder, 2 x Landeklappen) wurden aus Sperrholz angefertigt.
Aus schichtverleimten 6 mm Depronteilen (jeweils 8 Schichten pro Schwimmer) wurden die beiden Stützschwimmer zusammengesetzt.

Die Mittelteile bestehen aus 3 mm Sperrholz und haben Einschnitte für die Aufnahme der Schwimmerstreben aus Alu-Profilrohren.

Das Foto zeigt die beiden Stützschwimmer im Rohbau - noch vor dem Verschleifen.
TwinBee - Foto 07
TwinBee - Foto 08 Die beiden Motorgondeln wurden aus 6 mm Depron aufgebaut. Aus 3 mm Sperrholz sind die beiden Motorspanten - darauf werden die Brushless-Motoren mittels Rückwandbefestigung verschraubt.

Großzügig dimensionierte Wartungsklappen auf den Gondeloberseiten und abnehmbare Frontblenden sorgen für eine gute Zugangsmöglichkeit - schließlich sind in den Gondeln auch die Landeklappen-Servos versteckt.
Hier wurden probeweise zum ersten Mal Rumpf, Leitwerke und Tragflügel zusammengesteckt.

Der recht komplexe Rumpfaufbau zog umfangreiche Spachtel- und Schleifarbeiten nach sich.

Dabei hat sich die "Moltofill"-Spachtelmasse aus dem Baumarkt als optimales "Kosmetik-Material" für Schaumstoff bewährt.
TwinBee - Foto 09
TwinBee - Foto 10 Die Rumpfoberfläche wurde mit 12 g Japanpapier bespannt, mit Parkettlack versiegelt, grundiert und anschließend weiß lackiert.

Die Rumpfunterseite wurde zuvor zusätzlich mit 25 g Glasgewebe belegt und erhielt vorsichtshalber auch noch eine SafeCoat-Beschichtung.
So wie bei meiner "Puddle Twin II XL" und "Shin Meiwa" übernehmen auch hier die Abdeckungen der Querruderservos die Lagerung der Stützschwimmer-Streben.

Diese Streben wurden aus Alu-Tropfenprofilrohr 10 x 5,3 mm gefertigt.

Auch die seitlichen Abstützungen sind hier nur schmückendes Beiwerk - das "Gegenlager" im Flügel ist ein 15 mm langes Stück Bowdenzugröhrchen.

Das Bild zeigt die fertig lackierten Stützschwimmer nach dem Aufbringen der Dekorstreifen.
TwinBee - Foto 11
TwinBee - Foto 12 Die weiter oben bereits erwähnten zwei 6 mm Buchendübel vorne und eine M6-Nylonschraube hinten halten den Tragflügel zuverlässig am Rumpf.

Die Flügelstreben haben am Modell keine tragende Funktion und bestehen aus 5 mm CFK-Rohren. An beiden Enden der Rohre wurden Löthülsen eingeklebt und Kunstsoff-Gabelköpfe aufgedreht.

Beim Aufrüsten des Modells werden die Flügelstreben - ganz ohne Werkzeug - einfach mit den Gabelköpfen in die Alu-Befestigungslaschen an Rumpf und Tragfäche eingeklipst.
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TwinBee - Foto 14 Für eine optimale Positionierung der Rumpfspanten wurde auf eine Kabinenverglasung verzichtet und die Fensterscheiben mittels schwarzer Klebefolie dargestellt.

Bei den Frontscheiben klappte das aber nicht - die mußten wegen der großen Wölbung auflackiert werden.
Für die Oberflächen von Höhenleitwerk und Seitenruder wählte ich eine Folienbespannung: Ganz vorsichtig - mit ca 130 Grad - wurde weiße Oracoverfolie aufgebügelt. Dabei dient die Folie auch gleich als Höhenruderscharnier.

Mit der dadurch erzielten Oberflächenqualität war ich auf Anhieb zufrieden, vergaß aber leider den damit verursachten Gewichtszuwachs zu messen.

Die Oberfläche des Tragflügels wurde dagegen mit Parkettlack imprägniert und abschließend mit "SafeCoat" beschichtet.
TwinBee - Foto 15
TwinBee - Foto 16 An Sonderfunktionen gibt es außer der differenzierten Motordrehzahlsteuerung und den funktionsfähigen Landeklappen noch getrennt über Funk schaltbare Positionsleuchten und Landescheinwerfer.

Dabei werden die Positionsblitzer durch Blink-LEDs und die Landescheinwerfer durch je zwei Superflux-LEDs dargestellt.

Die "gläsernen" Abdeckungen für die Positionslampen wurden aus Pet-Material nach der hier unter dem Register "K" beschriebenen Methode "tiefgezogen".
Blick in den Rumpf: Servos für Seite und Höhe, Drehzahlsteller, Empfänger und Schaltmodule für Landescheinwerfer und Positionsleuchten.

Die beiden Antriebsakkus (3S 2200) sind zwischen dem 3. und 4. Rumpfspant untergebracht.

Auf eine abnehmbare Kabinenhaube wurde - um das Rumpfinnere schön trocken zu halten - verzichtet. Zum Akkuwechsel muß deshalb die Tragfläche abgenommen werden (was aber durch die zentrale Nylonschraube und die klipsbaren Stützstreben keine große Sache ist).
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TwinBee - Foto 18 Das startbereite Modell. Mit den beiden Antriebsakkus (jeweils 180 g) ergibt sich ein Abfluggewicht von stolzen 2150 g.

Das liegt zwar deutlich über meinen Erwartungen, ist aber hinsichtlich Flächenbelastung noch völlig unkritisch.

Das zweifarbige Modell-Design wurde aus grauer und dunkelblauer Orastick-Klebefolie geschnitten.

Die verwendeten Decals (Kennungen, Flaggen) sind selbst am PC angefertigt, auf transparente Klebefolie gedruckt und mit Klarlack gegen Wasser geschützt.
Warten auf den Erstflug:

Dieser - inklusive bei Eigenkonstruktionen obligater, umfassender Flugerprobung - wurde für Saisonbeginn 2011 am 12. März am Ratzersdorfer See in St. Pölten geplant, aber wegen sehr ungünstigen Windverhältnisssen auf später verschoben.

Während der Wartezeit auf ideales Flugwetter surfen wir schon einmal die Webseite
der Flugschule in Florida an, wo das
große Vorbild fleißig im Einsatz ist:
www.mesrating.com
TwinBee - Foto 19
TwinBee - Foto 20 Am frühen Morgen des 03. April 2011 bei Windstille und spiegelglatter Wasseroberfläche ist es dann endlich so weit: Die Twin Bee hebt zum ersten Mal ab.

Motor-Setup und Ruderausschläge passen perfekt, lediglich die Schwerpunktlage wird nach dem ersten Flug um 3 mm nachjustiert.
Die Flugeigenschaten des Modells kann man durchaus als "Trainer-like" bezeichnen. Beim Manövrieren auf dem Wasser ist die differenzierte Motordrehzahlsteuerung eine große Hilfe.

Das phantastische Flugbild und der Zweimotoren-Sound zaubern sofort das bekannte Grinsen in das Gesicht des Piloten.

Die Landegeschwindigkeit ist dank der großen Landeklappen erfreulich niedrig.

Eine komplette Fotoserie vom erfolgreichen Erstflug gibt es in der Gallery.

Dieser Baubericht ist auch in Englisch verfügbar.
TwinBee - Foto 21
TwinBee - Foto 22
Technische Daten:

Maßstab: ca 1:8
Spannweite: 1650 mm
Länge: 1180 mm
Startgewicht: 2150 g
Motor: 2 X BL Roxxy 3536-06 (1200 KV)
Steller: 2 X DualSky 40 A
Props: 9 X 4,5 APC
Akku: 2 x 3 Zellen Lipo 2200
Empfänger: Futaba R617FS 2,4 GHZ
RC: Quer, Höhe, Seite, Motor, Landeklappen
Sonderfunktion: differenzierte Motorsteuerung, Landescheinwerfer, Positionslampen

 

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