Umbaubericht: Flugboot "Lake Buccaneer"
von Johann Prachinger, August 2014   zurück zur Übersicht
(ehem.) Hersteller: Pilot OK Model Fertigungsgrad: (ehem.) Holzbausatz
Lake Buccaneer  - Katalogfoto 01 Man schrieb das Jahr 1987 als ich in einem Katalog des Herstellers "Pilot OK Model" den Bausatz für das vorbildähnliche Flugboot "Lake Buccaneer" entdeckte.

Zu dieser Zeit hatte ich bereits ein Graupner Taxi II auf Schwimmern, aber noch kein Flugboot - von diesem Modell war ich so restlos fasziniert, dass ich es einfach bestellen musste.

Als geeignetes Fluggelände hatte ich seit 1985 einige Schotterteiche in der Umgebung...
Ausstattung und Qualität des Bausatzes konnten sich wirklich sehen lassen - einfach top!

Der Aufbau des Modells war damit ein Vergnügen und ging rasch von der Hand.

Beim Motorpylon entschied ich mich - rein gefühlsmäßig, aber auch aus heutiger Sicht noch goldrichtig - für die Version mit Zugpropeller, im Bauplan war alternativ auch die Variante mit Druckpropeller (siehe Katalogfoto) eingezeichnet.

Als Triebwerk wählte ich einen 4 ccm Verbrenner von Super Tigre.
Lake Buccaneer  - Katalogfoto 02
Lake Buccaneer  - Foto 03 Die Flugeigenschaften des ca 2,2 Kg schweren Modells waren problemlos und glichen denen eines guten Querruder-Trainers.

Auf dem Wasser musste man allerdings mit größter Vorsicht manövrieren - schon ein kleiner Tropfen Spritzwasser im Vergaser stoppte den Motor.

Leider kamen mir schon nach wenigen Jahren die Fluggelände abhanden - nach und nach wurden die Schotterteiche eingezäunt.
Damit war meine neu entdeckte Modellsparte schon nach kurzer Zeit wieder gestorben, die "Lake Bucaneer", "Catalina" und das "Taxi II" auf Schwimmern konnten nur noch als Werkstatt-Dekoration eingesetzt weden.

Da das Modell wirklich Seltenheitswert hat, habe ich es später sogar mehrmals auf Modellbaumessen ausgestellt.

Auch meine Karriere als Wasserflugpilot ruhte dann bis zum Jahr 2002 - erst das Elektro-Wasserflugtreffen am Grundlsee weckte meine Wasserflugbegeisterung aufs Neue.
Lake Buccaneer  - Foto 04
Lake Buccaneer  - Foto 05 Zu dieser Zeit tauchten auch die ersten Brushless-Motoren und schon bald danach die ersten Lipo-Akkus auf und verhalfen dem Elektro-Wasserflug zum endgültigen Durchbruch.

So begann ich damit, nach und nach meine Lieblingsmodelle von den lärmenden, qualmenden Verbrennern zu befreien.

2008 war das Taxi II auf Schwimmern an der Reihe, 2011 folgte die nach Plan gebaute Catalina PBY-2, erst im Juli 2014 klappte es mit der "Elektrifizierung" der "Lake Buccaneer".

Linkes Bild: die neuen und die alten "Innereien".
Natürlich machte es Sinn, in diesem Zusammenhang auch gleich die inzwischen 26 Jahre alte 35 MHZ RC-Ausrüstung gegen ein 2,4 GHZ System zu tauschen.

Da ja jetzt das Drosselservo als "Ballast" und Stromverbraucher wegfiel, baute ich einfach drei neue Servos in Standardgröße ein.

Die Querruder werden - wie in den 80ern üblich - mittels Torsionsanlenkung über ein Zentralservo angesteuert. Das funktioniert auch heute noch perfekt und wurde ohne Änderung übernommen.
Lake Buccaneer  - Foto 06
Lake Buccaneer  - Foto 07 In den originalen Motorträger aus Hartholz musste ich Aussparungen für den Motor und zwei Schlitze für den neuen Motorspant aus 3 mm Sperrholz fräsen.

Auf diesen kreisrunden Motorspant wurde dann der Roxxy 3545-10 (1150 kV) mit seiner Rückwandbefestigung geschraubt.

Dieser Motor hatte sich in einigen zuvor durchgeführten Testläufen als "Idealbesetzung" im Teamwork mit einem Master 9 X 7 Dreiblattprop an 3 Lipozellen qualifiziert.
In dem großen, breiten Rumpf wirken die beiden Standardservos, Steller, Akku und Empfänger fast schon ein wenig verloren.

Zum Akkutausch muß die Tragfläche, mit der auch Motorpylon und Kanzel fest verbunden sind, abgenommen werden. Dazu sind zwei Inbusschrauben zu entfernen - ein vertretbarer Aufwand, wie ich meine.

Eine Silikondichtung auf den Auflageflächen sorgt dafür, dass das Rumpfinnere auch bei nicht ganz perfekten Manövern auf dem Wasser schön trocken bleibt.
Lake Buccaneer  - Foto 08
Lake Buccaneer  - Foto 09 Der ursprünglich weiß lackierte Motorpylon ist genau so vergilbt wie die ehemals weiße Oracover-Bespannung. Stört mich aber nicht weiter, das verleiht einem 26 Jahre alten Modell erst den richtigen nostalgischen Charme.

In die runde Aussparung für den Zylinder habe ich der Optik zuliebe ein weißes Gitter geklebt, vielleicht hilft es sogar ein wenig zur Motorkühlung.

Auf den Katalogbildern sieht man zwei Abstrebungen vom Pylon zum Rumpf - die mußte ich damals weglassen, weil der Schalldämpfer genau im Weg war - also brauche ich sie jetzt auch nicht mehr.
Bei Vollgas zieht der Motor 40 A, damit liegen rund 440 W an Eingangsleistung an - das reicht ganz locker für ein 2 Kg schweres Flugzeug.

Nach einem letzten Check ging es dann am
27. Juli 2014 endlich zum See. Der 2. Jungfernflug klappte anstandslos, das Modell kam rasch auf Stufe und hob zügig ab.

Für einen schönen Geradeausflug waren allerdings mehrere Trimm-Klicks nötig - das Modell zog deutlich nach links. Vor dem nächsten Flugtag werde ich daher den Seitenzug (2 Grad laut Plan) mit Hilfe von Beilagscheiben noch leicht erhöhen.
Lake Buccaneer  - Foto 10
Lake Buccaneer  - Foto 11 Der Umbau hat sich wirklich gelohnt, durch
die steil (16 Grad) nach oben gerichtete Motorzugachse hat die "Lake Buccaneer" ein sehr charakteristisches, unverwechselbares Flugbild.

Der gewählte Antrieb hat deutlich mehr "Dampf" als der alte verbrenner und durch die fast 200 g Gewichtseinsparung gegenüber der Verbrennerversion sind die Flugeigenschaften sagenhaft gutmütig, Starts und Landungen gelingen mühelos.

Dass ein Modell, das sich nach einer so langen Pause wieder in die Lüfte erhebt, das "berühmte Grinsen" auf das Gesicht des Piloten zaubert, muß hier wohl nicht extra erwähnt werden...
Technische Daten:

Spannweite: 1500 mm
Länge: 990 mm
Startgewicht: 2040 g
Motor: BL Roxxy 3545-10 (1150 kV)
Steller: Trust 70A BEC
Prop: 9 X 7 Master Dreiblatt
Akku: Lipo 3S 2100
Empfänger: Futaba R617FS 2,4 GHZ
RC: Quer, Höhe, Seite, Drehzahl
Lake Buccaneer  - Foto 12

 

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